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12.900 Arbeitsunfälle auf niedersächsischen Baustellen

Mehr Arbeitsschutz-Kontrollen
im Landkreis Northeim gefordert
Gefahr im Verzug – und keiner schaut hin: Behörden kontrollieren im Landkreis
Northeim nur selten, ob Arbeitsschutzvorschriften eingehalten werden. Das kritisiert
die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). In Niedersachsen standen 200.000 Betrieben
zuletzt lediglich 638 Arbeitsinspekteure bei der Gewerbeaufsicht gegenüber. Das
geht aus einer aktuellen Antwort der Bundesregierung auf eine parlamentarische
Anfrage der Grünen hervor. „Firmen müssen praktisch nur alle paar Jahre mit einer
Kontrolle rechnen – wenn überhaupt. Allein im Kreis Northeim haben wir mehr als
3.300 Betriebe“, sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender Torsten Witt.
Angesichts dieser Zahlen überrasche es kaum, wenn es mancher mit der
Arbeitssicherheit nicht so genau nehme, so der Gewerkschafter. Doch gerade auf
dem Bau könne das fatale Folgen haben. Nach Angaben der Gesetzlichen
Unfallversicherung kam es auf niedersächsischen Baustellen im vergangenen Jahr
zu rund 12.900 Arbeitsunfällen – fünf von ihnen endeten tödlich.
Mit dem aktuellen Bau-Boom könnte das Unfallrisiko sogar steigen, warnt die IG BAU
Niedersachsen-Süd. „Volle Auftragsbücher und das Arbeiten unter Zeitdruck führen
allzu oft dazu, dass auf Schutzmaßnahmen verzichtet wird“, so Witt. Immer wieder
beobachte er, wie Bauarbeiter ungesichert auf Gerüsten balancierten. Der fehlende
Sicherheitsabstand zu Baggern und Kränen erhöhe die Unfallgefahr ebenfalls
drastisch. „Dabei ist der Arbeitgeber dazu verpflichtet, für den Schutz seiner
Beschäftigten zu sorgen. Tut er das nicht, macht er sich strafbar“, betont Witt.
Allerdings hielten sich viele Baufirmen nur dann an das Gesetz, wenn sie mit
Konsequenzen rechnen müssten. Und die Zahl staatlicher Kontrollen geht nach
Angaben der Bundesregierung seit Jahren zurück. So besuchten die
Gewerbeaufsichten der Bundesländer im Jahr 2006 rund 370.000 Betriebe. Zehn
Jahre später waren es nur noch knapp über 200.000. Die IG BAU fordert, das
Personal der Aufsichtsbehörden massiv aufzustocken. Nur so könne man wieder auf
ein vernünftiges Kontroll-Level kommen. „Schließlich müssen die Beschäftigten in
den Betrieben und auf den Baustellen im Landkreis Northeim das Gefühl haben,
dass der Arbeitsschutz auch wirklich unter die Lupe genommen wird“, sagt Witt.
Die Berufsgenossenschaften, die ebenfalls die Arbeitssicherheit kontrollieren,
könnten das staatliche Defizit nur zum Teil kompensieren, so Witt weiter. Immerhin
habe die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) in den letzten Jahren
deutlich mehr Stellen für den Arbeitsschutz geschaffen. Und bei der BG Bau können
sich Beschäftigte selbst melden, wenn es brenzlig wird – unter der Notruf-Hotline
0800 / 80 20 100. Die Anrufer bleiben hierbei anonym. Und Unternehmer, die beim
Arbeitsschutz auf Risiko setzen, müssen mit einer raschen Visite der
Arbeitsinspekteure rechnen.

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